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ARAMEA Quarterly „Q“ 04-2026 „Die größte Wette der Geschichte der Menschheit – und wie sie aufgehen kann“

News

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

es wird dieser Tage viel darüber spekuliert, was der eigentliche Grund gewesen ist, weshalb sich
die CEOs der führenden Frontier-AI-Labs für eine Geschwindigkeitsdrosselung in der Weiterent-
wicklung der KI-Modelle ausgesprochen haben. Sind es tatsächlich die Sorgen vor einem noch
größeren Unfall als jener zwischen „OpenAI und Hugging Face“? Oder wird den Firmen der
Frontier-Wettlauf schlicht zu teuer? Wie dem auch sei, eine Drosselung würde aus meiner Sicht
den KI-Trend keineswegs abwürgen. „Pacing“ bedeutet nicht „Pause“. Einerseits wird der Ausbau
der KI-Infrastruktur auch mit einem langsameren Fortschritt an der AI-Frontier weitergehen, da die
meiste Rechenleistung mittlerweile für die Inferenz – also die Nutzung der Modelle – und eben
nicht für das Training der Modelle verwendet wird. Zum anderen wird das Tempo der KI-
Weiterentwicklung von Angebotsknappheiten (Grundstücke für Rechenzentren, Chips, Energie,
Regulierung) bestimmt und weniger durch die Nachfrage der AI-Labs. Und auch der
Produktivitätsfortschritt durch die KI wird sich durch eine Drosselung nicht verspäten, da die
Modelle heute schon viel mehr können als das, wofür sie gemeinhin genutzt werden.


Entsprechend dürfte der Wettbewerb um Kapital weiterhin vom KI-Boom angeheizt werden. Es
stimmt zwar, dass Staatsanleihen aus den USA oder Deutschland gemeinhin andere Investoren
ansprechen als die Hyperscaler-Emissionen – der globale Pool an Ersparnissen ist dennoch endlich
und das Kapital knapp. Der Aufwärtsdruck auf die Zinsen wird daher nicht so schnell verschwinden.
Die wohl größte Chance auf fallende Zinsen wäre gegeben, wenn sich der Konflikt im Mittleren
Osten auflöst. Solange dieser jedoch nicht unter der Wahrnehmungsschwelle des Marktes
verschwindet, bleibt der Inflationsdruck hoch und damit auch die Notwendigkeit für
Zinsanhebungen seitens der Notenbanken – obwohl jenseits der Energiepreise wenig für steigende
Zentralbankzinsen spricht.


Mit einem Anstieg auf über 3,60% bei zehnjährigen Bundesanleihen sowie über 5,20% bei US-
Treasuries haben die Zinsen ein Niveau erreicht, bei dem auch der Aktienmarkt normalerweise
beginnt die Nase zu rümpfen. Nur leben wir aufgrund des KI-Booms nicht in normalen Zeiten,
sodass wir nicht nur in Q4 mit freundlichen Märkten rechnen.


Apropos Q4: Zu den Themen KI und Energie wird sich in den letzten Monaten dieses Jahres unwei-
gerlich die Politik gesellen. In Deutschland wackelt die Bundesregierung und mit ihr die dringend
benötigten Reformen. Und in den USA? Dort dreht der US-Präsident pünktlich zu den Midterms
endgültig durch. So drohte er jüngst damit, den gesamten Außenhandel zu unterbinden und keine
Katastrophenhilfe mehr für demokratische Bundesstaaten zu zahlen. Mal sehen, was auf der nach
oben offenen Trump‘schen Nonsense-Skala noch so kommt. Alles andere als eine Niederlage bei
den Zwischenwahlen wäre aus heutiger Sicht zumindest eine Überraschung. 

 

Viel Spaß bei der Lektüre wünscht ihnen Ihr

 

Felix Herrmann, CFA
Chefvolkswirt Aramea Asset Management AG

2. Oktober 2026
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